Studie zu lokalen Marktplätzen & Chancen für den stationären Handel [Update 2024]

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Initiativen für den stationären Handel

Das Herz einer typischen mittelalterlichen, europäischen Stadt war ihr Marktplatz, auf welcher Waren gehandelt wurden, Informationen ausgetauscht oder soziale Kontakte gepflegt wurden. Auf dem Marktplatz spielte sich das wirtschaftliche Leben ab, indem Angebot und Nachfrage zusammenkamen. Bis heute ist eine lebendige und vielfältige Innenstadt wichtig für die Attraktivität der Städte – dies gilt sowohl für Bewohner als auch für Besucher. Heute prägen Gastronomie, Dienstleister und der Einzelhandel das Stadtbild. Dem stationären Handel kommt mit rund 320.000 Standorten eine besondere Bedeutung zu, während die Gastronomie mit rund 124.000 nur etwa halb so viele Standorte zählt. Doch der stationäre Einzelhandel ist unter Druck geraten und verschiedene Akteure sprechen von einem „Ladensterben“. Dieser Trend hat unterschiedliche Gründe: Waren es zunächst die Shopping Malls, welche die Nachfrage oft an den Stadtrand gelockt haben, so war es in den vergangenen zehn Jahren vor allem das Internet, welches dem stationären Handel insgesamt Konkurrenz macht. Nicht nur der Einzelhandel selbst ist auf der Suche nach Lösungen, auch Städte und Kommunen bemühen sich um eine Förderung des lokalen Handels und somit um den Erhalt attraktiver und lebenswerter Innenstädte. Dabei werden unterschiedlichste Ansätze verfolgt:

  • Regulierungen gegen Ansiedlung „innenstadt-relevanter Sortimente“ am Stadtrand oder auf der „grünen Wiese“
  • Förderung von Geschäftsansiedlungen in den Innenstädten inklusive einer geeigneten Infrastruktur
  • Stadtmarketing und Förderung der Nachfrage im stationären Einzelhandel, beispielsweise durch Veranstaltungen in den Innenstädten oder Vermarktung

Auch die zunehmende Digitalisierung spielt eine Rolle bei den Förderungen des stationären Handels. Einige Industrie- und Handelskammern (IHK) bieten zum Beispiel Schulungen für Einzelhändler. Weiter sind Städte und teilweise auch Werbegemeinschaften der lokalen Händler bemüht, Sichtbarkeit für das stationäre Angebot auf Online-Kanälen zu erzeugen, um dadurch lokale Kaufkraft zu binden. Diese Initiativen weisen eine große Bandbreite auf – von der WhatsApp-Gruppe bis zum lokalen Online-Marktplatz. Die corona-bedingten Ladenschließungen in Teilen des Einzelhandels haben diese Entwicklung noch einmal beschleunigt und zu einer unüberschaubaren Vielfalt an Initiativen zur Förderung des lokalen Handels geführt.
Einige dieser Initiativen wurden mit umfangreichen Fördermitteln des Bundes oder der Länder unterstützt, viele wurden durch das beherzte Engagement der Akteure vor Ort ins Leben gerufen. Nur sehr wenige dieser Initiativen ist es jedoch gelungen, eine nachhaltige Wirkung zu erzeugen bzw. nach dem Abklingen der Pandemie weiter zu bestehen.

Die Studie von eStrategy Consulting umfasst zahlreiche Initiativen zur Förderung des Einzelhandels in Deutschland sowie dem deutschsprachigen Raum. Die Studie erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr sollen die unterschiedlichen Ansätze kategorisiert, beschrieben und bewertet werden. Darauf aufbauend werden Strategien und Erfolgsfaktoren für den stationären Handel sowie für kommunale Akteure dargelegt.

Beginnend mit einer Vorstellung der digitalen Lösungsansätze, gibt die Studie zunächst einen Überblick über die verschiedenen Initiativen. Die Bewertung der Ansätze basiert auf der Einschätzung und Erfahrung von eStrategy Consulting, welche durch zahlreiche Interviews mit Vertretern der Initiativen sowie von Städten und Kommunen, Wirtschaftsförderungen, Industrie- und Handelskammern, Verbänden sowie Werbegemeinschaften lokaler Händler ergänzt wurden. Darüber hinaus wurde auch ein Blick auf die Aktivitäten der etablierten Marktplätze und Plattformen wie Amazon, eBay und Zalando geworfen, welche ebenfalls Angebote für den stationären Handel entwickelt haben.

Grundsätzlich können die Initiativen in transaktionale und nicht-transaktionale Ansätze unterschieden werden. Nur wenige Initiativen bieten eine transaktionale Lösung, d.h. einen richtigen Online-Marktplatz, auch wenn der Begriff Marktplatz häufig als Synonym für eine Vielzahl dieser Initiativen verwendet wird.

Nicht-transaktionale Ansätze

Transaktionale Ansätze

Die nicht-transaktionalen „Marktplätze“ können unterteilt werden in reine Händlerverzeichnisse auf der einen Seite und sogenannte „Online-Schaufenster“ auf der anderen Seite. Darunter versteht man Sortimentsverzeichnisse, welche eine Auswahl von Produkten des jeweiligen Händlers zeigen, welches jedoch online nicht gekauft, sondern im besten Falle reserviert werden kann. Ein überwiegender Teil dieser Initiativen sind lokale bzw. regionale Projekte, es finden sich jedoch auch einige deutschlandweite Initiativen. Die transaktionalen Initiativen werden unterteilt in „lokale und regionale Online-Marktplätze“ sowie in „vertikale Online-Marktplätze“. Letzteres dient der Abgrenzung von Initiativen, welche sich nur auf besondere Sortimente fokussieren.

Nicht-transaktionale Ansätze

Im Rahmen der Studie wird nun die Kategorie der nicht-transaktionalen Ansätze für Einzelhändler betrachtet. Die simpelste Lösung bieten hier sogenannte Händlerverzeichnisse, welche im Folgenden erläutert werden.

Händlerverzeichnisse

Händlerverzeichnisse sind einfache Online-Verzeichnisse, welche die lokalen Händler einer Stadt oder einer Region erfassen und darstellen. Sie bieten Händlern somit die Chance eine gewisse Sichtbarkeit im Internet zu erreichen. Meist finden Besucher dieser Händlerverzeichnisse Kontaktdaten und Öffnungszeiten der Händler, gelegentlich existieren zudem erweiterte Händlerprofile, die durch weitere Inhalte ergänzt werden. Meist wird auch eine Karten-Funktion angeboten, welche die Standorte der Einzelhändler darstellt. Im Falle dessen, dass der Einzelhändler schon eine eigene Webseite besitzt, oder sogar einen Webshop, ist auch eine Verlinkung zu diesen Seiten für Sortimentsverzeichnisse üblich.
Beispiele hierfür sind deutschlandweite Plattformen wie Buy Local, Lokalkauf oder Shopdaheim. Hinzu kommen unzählige lokale Initiativen, mit dem Ziel, der lokalen Bevölkerung darzustellen, welche Händler geöffnet haben bzw. wie diese erreichbar sind.

Beispiele für Händlerverzeichnisse (Klick für Großansicht)

Bewertung der Händlerverzeichnisse

  • Aufwand

    Für die Händler bedeuten diese Verzeichnisse nur einen geringen, meist initialen Aufwand zur Erstellung bzw. Pflege des Profils. Darüber hinaus sind Änderungen in den Angaben durch den Händler, wie z.B. Öffnungszeiten, umzusetzen.

  • Händlernutzen & Reichweite

    Die Verzeichnisse bieten oft nur eine schlechte Sichtbarkeit für den lokalen Handel auf den Seiten der Städte oder auf zusätzlichen Portalen – allesamt mit eher geringer Reichweite. Resultierend daraus ergibt sich auch ein geringer Nutzen für die Händler, da die Verzeichnisse nicht genug „Traffic“ bzw. Nachfrage für die stationären Händler erzielen. Außerdem sind sie teilweise nicht bekannt und schlecht vermarktet, was die Nutzung solcher Verzeichnisse für Kunden unattraktiv macht.

  • Aktualität

    Händlerverzeichnisse sind oft veraltet, da sie vor einigen Jahren aufgesetzt und anschließend nicht gepflegt wurden. Auch dies ist ein Nachteil für die Händler, da sich Kontaktdaten oder Öffnungszeiten auch ändern können. Außerdem sind die Verzeichnisse unvollständig und häufig fehlen neu eröffnete Standorte lokaler Händler. Hier ist hinzuzufügen, dass einige Händlerverzeichnisse in Zeiten des corona-bedingten Lockdowns neu aufgesetzt oder reaktiviert wurden, weshalb in solchen Fällen von einer höheren Aktualität ausgegangen werden kann.

  • Funktionalität

    Die Funktionalität ist bestenfalls mit Google Maps bzw. Google My Business vergleichbar, womit hinreichend Sichtbarkeit für stationäre Händler gegeben wäre. Allerdings übertrifft die Reichweite von Google My Business die der Verzeichnisse.

Einem geringen Aufwand für die Händler steht somit auch ein geringer Nutzen gegenüber. Die Frage ist hier also, welche Anreize die Verzeichnisse den Nutzern und vor allem potenziellen Kunden bieten. Häufig nutzen Kunden vermehrt Möglichkeiten wie Google My Business, um Einzelhändler zu finden, da sie keinen Überblick über die Existenz solch kleiner Händlerverzeichnisse besitzen.

Online-Schaufenster (Sortimentsverzeichnisse)

Nachfolgend werden hier sogenannte Sortimentsverzeichnisse definiert und bewertet. Sie werden auch „Online-Schaufenster“ genannt und zeigen für eine bestimmte Stadt oder Region die Händlerprofile an (ähnlich wie Händlerverzeichnisse). Auch Verlinkungen zu Händlerwebseiten oder Webshops sind möglich. Allerdings bieten sie das Add-On einer händlerspezifischen digitalen Sortimentsdarstellung. Die Grundidee ist somit, dass sich die Kunden online im Sortimentsverzeichnis inspirieren lassen, indem sie das Sortiment des Einzelhändlers einsehen können. Anschließend kann der Kunde die Ware im stationären Handel vor Ort erwerben. Die Händler bieten hier teilweise auch Reservierungsfunktionen an, sodass die Produktverfügbarkeit vor Ort garantiert wird.

Online-Schaufenster sind oftmals lokale Initiativen, welche die Produkte der Händler einer spezifischen Stadt bzw. Region aufzeigen. Daher sind oftmals lokale Unternehmen stark in ihrer Ausgestaltung und Inbetriebnahme involviert. Besonders Verlage dienen als Stützpunkte für solche Projekte. Ein Beispiel hierfür ist die Plattform Lieblingsladen, welche vom Südkurier Medienhaus in der Bodensee-Region betrieben wird.

Ein weiterer Akteur in dem Segment der Sortimentsverzeichnisse ist der Shopping-Center-Betreiber ECE, welcher solche Seiten namens „Digital Mall“ für über 60 Shopping Malls betreibt. In diesem Projekt werden die Sortimente der teilnehmenden Händler der jeweiligen Malls in einem Shopping-Bereich auf den Center-Webseiten dargestellt. Somit suchen die Kunden ihr Wunschprodukt zu Hause aus, führen einen Verfügbarkeitscheck durch und holen es anschließend vor Ort in der Mall ab. Das Alstertal-Einkaufszentrum befindet sich derzeit in einer Pilotphase, die es Kunden in Rahmen eines transaktionalen Marktplatzes ermöglicht, Produkte online zu kaufen und diese an einen gewünschten Ort liefern zu lassen.

Beispiele für Online-Schaufenster (Klick für Großansicht)

Bewertung der Sortimentsverzeichnisse

  • Aufwand

    Die Sortimentsverzeichnisse fordern einen hohen Aufwand für die teilnehmenden Händler hinsichtlich des Listens der Ware und ggf. notwendiger Sortimentsaktualisierungen.

  • Händlernutzen & Reichweite

    Die meisten Seiten bieten nur eine sehr geringe Reichweite, weshalb die Kundenresonanz und der Effekt für den stationären Handel sehr beschränkt sein dürfte.

  • Aktualität

    Viele der Seiten der Sortimentsverzeichnisse wirken ungepflegt bzw. veraltet. Insgesamt zeigen diese Portale nur beispielhafte Sortimente. Viele Projekte wurden außerdem in der Vergangenheit eingestellt – darunter auch Projekte namenhafter Anbieter wie Allyouneed, Locafox oder SimplyLocal.

  • Funktionalität

    Die Funktionalität erinnert an Preisvergleiche für lokale Sortimente, jedoch fehlt diesen Modellen der Business Case, was die Initiativen nach anfänglicher oftmals Begeisterung scheitern lässt.

Der sortimentsbasierte Ansatz ist attraktiv, wenn entweder die Kunden den Weg auf die Händlerseiten finden und sich vom lokalen Angebot inspirieren lassen können oder andererseits die Artikel so vermarktet werden, dass sie spezifische Produktsuchen von lokalen Kunden gefunden werden, bspw. via Google. Das ist jedoch nur in seltensten Fällen zutreffend, so dass eine große Mehrzahl der Initiativen zwar mit viel Mühe erstellt wurden, jedoch nur selten spürbare Effekte für teilnehmende Händler erzielen. Insbesondere der Nachweis gegenüber Händlern, dass es durch Sortimentsverzeichnisse gelingt Kunden in die stationären Geschäfte zu führen, bleibt oft aus.

Transaktionale Ansätze

Lokale & regionale Online-Marktplätze

Dieser Abschnitt betrachtet transaktionale Plattformen, auf welcher lokale Angebote und die Nachfrage einer Stadt, beziehungsweise einer Region zusammenfinden sollen.

Während die Kunden auf einigen dieser Marktplätze deutschlandweit einkaufen können, beschränken andere Marktplätze die Nachfrage lokal oder auf die Region, beispielsweise indem nur eine Abholung der Ware erfolgen kann. Ein Beispiel für einen transaktionalen Marktplatz, der deutschlandweit liefert, ist der Mein Heilbronn Shop. Hier können Kunden im Shop, per E-Mail oder Telefon bestellen und sich die Ware anschließend beim Händler abholen, in Heilbronn liefern lassen oder sogar deutschlandweit. Ein Beispiel für ausschließlich lokale Lieferung stellt Flobee dar. Allerdings bietet Flobee eine Lieferung am gleichen Tag (Same-Day-Delivery) und somit einen echten Mehrwert für lokale Kunden.

Ein großer Teil der lokalen Online-Marktplätze basieren auf Lösungen kommerzieller Anbieter wie Atalanda, welche sich auf den Vertrieb lokaler Marktplätze spezialisiert haben. Das ist kein Zufall, denn die Installation einer transaktionalen Plattform ist deutlich aufwendiger als eine nicht-transaktionale Lösung. Viele lokale Initiativen scheuen dieses Invest. Aber auch für kommerzielle Anbieter solcher Plattformen ist es kein einfacher Markt, was die lange Liste der hier gescheiterten Anbieter zeigt: Allyouneed, Locafox, SimplyLocal, Locamo, Lozuka und viele weitere Akteure haben in den vergangenen Monaten und Jahren ihren Betrieb eingestellt, da es nicht gelungen ist, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, welches unabhängig von Fördermitteln bzw. kommunalen Zuschüssen funktioniert. Für die Händler besteht, wie auch schon bei den Sortimentsverzeichnissen, ein großer Aufwand darin, ihre Sortimente in diesen Plattformen einzustellen, welche häufig kaum oder gar nicht in das E-Commerce-Ökosystem integriert sind. Darüber hinaus erzielen sie keine hinreichende Reichweite und Umsätze, dass dieser Aufwand gerechtfertigt wird. Für die Kunden entsteht somit in aller Regel kein Mehrwert und so stellt sich für Städte und Kommunen nach einer Anlaufphase in der Regel die Frage, wie lange solche Projekte tragbar sind.

Seit April 2021 ist das Konzept „eBay Deine Stadt“ mit inzwischen mehr als 40 teilnehmenden Städten und Regionen am Markt. eBay Deine Stadt bietet ein Konzept für einen lokalen Marktplatz mit einigen signifikanten Vorteilen, was den großen Erfolg des Modells in den vergangenen Jahren erklärt. Für Städte bietet eBay Deine Stadt eine schnelle Umsetzung basierend auf einer Plattform an, welche mit dem eBay-Marktplatz verbunden ist. Auf dem eBay Marktplatz sind bereits viele lokale Händler aus ganz Deutschland aktiv, was die Umsetzung eines lokalen Online-Marktplatzes je Stadt erleichtert, da vielfach bereits eine kritische Masse an Händlern und Sortiment vorhanden ist. Der wichtigste Vorteil für die Städte ist jedoch, dass das Modell eBay Deine Stadt für Händler attraktiv ist, was den Ansatz zu einem nachhaltigen Modell für einen lokalen Online-Marktplatz macht.

Lokale Händler*innen arbeiten mit einer etablierten Plattform (eBay.de) zusammen und listen ihre Produkte einerseits auf dem nationalen und internationalen Marktplatz von eBay und parallel auf dem lokalen Online Marktplatz. Hierdurch wird eine hohe Reichweite auf eBay sowie die lokale Sichtbarkeit auf dem lokalen Online-Marktplatz von eBay Deine Stadt garantiert. Zudem finden neue Händler im Rahmen des Programms „eBay Durchstarter“ umfangreiche Unterstützung in den ersten Monaten.

Der besondere Ansatz von „eBay Deine Stadt“ wird auch von Experten im Markt geteilt:

Professor Doctor Gerrit Heinemann

Ich habe in den letzten Jahren viele Versuche, lokale Online-Marktplätze zu etablieren, beobachtet. Und fast alle sind gescheitert. Nach einem Jahr ‚eBay Deine Stadt‘ und einem Blick auf die Zahlen sieht es so aus, dass diese Initiative eine positive Ausnahme ist. Ganz entscheidend für den Erfolg ist aus meiner Sicht, dass eBay bereits eine kritische Masse an Händler*innen mit ihren Waren und eine große Kundschaft mitbringt. Gleichzeitig steigt durch aktuelle Krisen und Kundenerwartungen der Druck auf den stationären Einzelhandel, sich nach zusätzlichen digitalen Verkaufskanälen umzusehen. Online-Marktplätze wie eBay bieten einen vergleichsweisen schnellen und unkomplizierten Einstieg. Durch ‚eBay Deine Stadt‘ kommt für die Händler*innen zusätzliche lokale Sichtbarkeit hinzu.

Prof. Dr. Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Center an der Hochschule Niederrhein

Unser HDE-Konsumbarometer ist im Mai den sechsten Monat in Folge zurückgegangen und hat inzwischen ein Rekordtief erreicht. Der Ukraine-Krieg, die Folgen der Corona-Pandemie und die Inflation trüben die Kauflaune der Verbraucherinnen und Verbraucher massiv ein. Das trifft besonders viele kleine und mittlere Einzelhandelsunternehmen. Deshalb sind sie auf zusätzliche Absatzwege angewiesen sowie auf mehr, insbesondere digitale Sichtbarkeit für ihre Angebote. Das Projekt ‚eBay Deine Stadt‘ bietet dies alles und ist daher eine wichtige Unterstützung der Handelsunternehmen vor Ort.

Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDE

Beispiele für lokale und regionale Marktplätze (Klick für Großansicht)

Bewertung der transaktionalen lokalen und regionalen Ansätze

  • Aufwand

    Die transaktionalen Ansätze stellen für Händler einen hohen technischen Aufwand bei der Implementierung dar. Sie müssen hohe Listing – und Pflegeaufwände bewältigen. Dieser Ansatz rechnet sich besonders für Kommunen oder Städte kaum, weswegen er eher von externen Anbietern dominiert wird. Deren Modelle sind in der Regel vergleichbar und reichen in der Regel von der günstigen Basis-Lösung bis zur individuellen White-Label-Lösung.

  • Händlernutzen & Reichweite

    Wie bei allen vorherig genannten Ansätzen besteht auch beim transaktionalen lokalen/regionalen Ansatz das Problem, dass sich Reichweite und Relevanz in Richtung Endkunden auf einer lokalen Ebene abspielt. Dadurch erfahren die Händler eher geringe Reichweiten. Außerdem sind Traktion und Attraktivität für Händler nur im Ausnahmefall gegeben. Der Ansatz von eBay stellt hier eine Ausnahme dar, da Händler die große Reichweite des eBay Marktplatz mit dem lokalen Online-Marktplatz unter „eBay Deine Stadt“ verbinden können.

  • Aktualität

    Die Aktualität ist hier eher vorhanden, als bei Händler- und Sortimentsverzeichnissen, da die Händler gezwungenermaßen ihr aktuelles Sortiment einfügen müssen, weswegen sie Waren und Shop regelmäßig aktualisieren. Ein veraltetes Sortiment würde dazu führen, dass Kunden Produkte online erwerben, über die der Händler nicht mehr verfügt.

  • Funktionalität

    Erfolgsfaktoren sind Engagement der Stadt (lokaler Kümmerer) und lokale Vermarktung sowie ein Vorteil für lokale Kunden, bspw. durch Same-Day-Delivery.

Die Implementierung lokaler Online-Markplätze stellt einen deutlich höheren Aufwand dar als nicht-transaktionale Lösungen. Aus diesem Grund sind eher Lösungen kommerzieller Anbieter zu finden, als kommunale Individualentwicklungen. Auch für die Händler stellen Listing- und Abwicklungsprozesse einen höheren Aufwand dar, welcher durch die geringe Nachfrage in der Regel nicht gedeckt wird. Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass selbst ambitionierte Projekte mit prominenten Partnern wie die folgenden gescheitert sind. Der Ansatz von eBay stellt hier eine Ausnahme dar, da Händler die große Reichweite des eBay Marktplatz mit dem lokalen Online-Marktplatz unter „eBay Deine Stadt“ verbinden können.

Beispiele für gescheiterte Plattformen (Klick für Großansicht)

„Ein echter regionaler Marktplatz widerspricht dem Grundgedanken eines Marktplatzes und kann deswegen nicht funktionieren, da es um pure Reichweite geht. Alle stadtbezogenen Online-Marktplätze sind gescheitert oder werden zukünftig noch scheitern.“

Um mehr über die Digitalisierung im deutschen Einzelhandel zu erfahren, lesen Sie unser Interview mit Prof. Heinemann: Wirtschaftswissenschaftler Gerrit Heinemann darüber, wie der stationäre Handel die Digitalisierung endlich vorantreiben kann

Prof. Dr. Gerrit Heinemann, Handelsexperte und Wirtschaftswissenschaftler

Vertikale Online-Marktplätze

Nicht zu vergessen sind im Kontext der Studie zudem Marktplätze von Verbundgruppen oder vertikalen Aggregatoren. Diese gehören zu den vertikalen Ansätzen und werden eher nicht von Städten oder Kommunen betrieben. Außerdem ist das Ziel auch nicht, wie bei den bereits genannten Kategorien, den stationären Handel im Allgemeinen zu fördern, denn Verbundgruppen unterstützen meist nur die Mitglieder, beziehungsweise teilnehmenden Partner der Verbundgruppe. Hierbei könnte es problematisch sein, dass die stationären Partner nicht mehr sichtbar sind, sondern Teil eines zentralisierten Online-Modells der Verbundgruppe.

Beispiele für vertikale Online-Marktplätze (Klick für Großansicht)

Eine ausführliche Analyse zu Verbundgruppen und deren Digitalisierungskonzepten wurde von eStrategy Consulting bereits in einer gesonderten Studie vorgenommen und ist hier verfügbar.

Ansätze der etablierten Marktplätze & Plattformen

Die letzte Kategorie, welche im Rahmen der Studie betrachtet wird, sind die Ansätze der etablierten Marktplätze und Plattformen. Auch diese bieten den stationären Händlern und Geschäften zahlreiche Möglichkeiten, um eine Sichtbarkeit zu erzielen. Hauptsächlich gewinnen Händler durch das Beitreten große Reichweite und überregionale, deutschlandweite und teilweise weltweite Nachfrage. Allerdings gehen die Marktplätze, durch das Angebot lokaler Warenabholung, auch auf die Bedürfnisse des lokalen Einzelhandels ein.

Im Rahmen des corona-bedingten Lockdowns für Teile des stationären Handels haben zudem viele der etablierten Plattformen besondere Konditionen und Hilfsmaßnahmen für den stationären Handel angeboten, welche eStrategy Consulting bereits im April 2021 hier zusammengestellt hat.

Bewertung der etablierten Marktplätze und Plattformen

  • Aufwand

    Für die Händler ist der Aufwand für Account-Erstellung, Listing, Verkaufsabwicklung etc. auf den etablierten Marktplätzen wahrscheinlich vergleichbar mit jenem auf einem lokalen Marktplatz. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die etablierten Marktplätze auch eine Best Practice hinsichtlich der Verkäufer-Prozesse und -Tools bieten.

  • Händlernutzen & Reichweite

    Hier liegen die Stärken der etablierten Plattformen, welche über ihre große Reichweite tendenziell auch einen deutlich größeren Nutzen für die Händler bieten. Nicht jeder lokale Händler wird grundsätzlich auf Amazon oder eBay erfolgreich sein, jedoch sind die Chancen hier ungleich höher als auf einem der oben genannten lokalen Marktplätzen.

  • Aktualität

    Aufgrund der hohen Traktion müssen die etablierten Plattformen ihren Nutzern Aktualität und Relevanz bieten. Der Kundennutzen der Plattformen ist unbestritten, auch wenn er ggf. keine regionalen oder lokalen Filterfunktionen vorsieht.

  • Funktionalität

    Eine übergreifende Bewertung der Funktionalität ist aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung der oben genannten Plattformen nicht möglich. Grundsätzlich bieten diese Plattformen jedoch den Benchmark für den jeweiligen Use Case.

Die etablierten Marktplätze und Plattformen bieten den stationären Händlern unterschiedliche Möglichkeiten zur Unterstützung des lokalen Geschäfts. Übergreifend kann aber gesagt werden, dass bei vergleichbarem Aufwand deutlich größere Potentiale bestehen. Auch wenn nicht alle Plattformen zum Ziel haben, lokales Angebot und lokale Nachfrage zu verbinden, so eint doch alle hier aufgeführten Initiativen, dass sie zumindest zum Ziel haben, dem lokalen Handel neue Chancen und zusätzliche Online-Nachfrage zu bieten. Diesen Weg haben die großen Marken und Handelsunternehmen längst eingeschlagen und auch kleine stationäre Händler sollten sich diesen Möglichkeiten nicht verschließen.

Kurzportrait & Kontakt – eStrategy Consulting

eStrategy Consulting hilft Klienten dabei, digitale Innovationen zur Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle und für den Aufbau neuer Geschäftschancen zu nutzen. Die Handelsbranche unterstützen wir dabei in der Weiterentwicklung zum Omnichannel und Connected Commerce und zählen Hersteller, klassische Big Box Retailer, die Handelsimmobilienwirtschaft oder digitale Marktplätze und Plattformen zu unseren Kunden.

eStrategy Consulting deckt den gesamten Lebenszyklus digitaler Innovation ab, von der Analyse über die Ideation, die Lösungsentwicklung und die Markteinführung. Wir arbeiten als Strategie- und Konzeptentwickler sowie als nahtlos integrierter und pragmatischer Umsetzungsmanager. Wir setzen dafür auf einen Methoden-Mix aus der Welt des Digital Business und der klassischen Unternehmensberatung. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl die anwendenden Kunden unserer Klienten als auch seine Organisation und Fähigkeiten, die zum Betreiben notwendig sind.